
Flavour Friends ist eine Einladung zum gemeinsamen Schmecken, Reden, Lachen und Weiterdenken. Die Ausstellung mischt Humor, Pop und Sinnlichkeit. Beim Betreten der Galerie empfängt einen die Bodrum-Berlin Bar, eine skulpturale Mikroarchitektur von Daniel Theiler. Die ausgreifende, tentakelartige Bar verwandelt den Ausstellungsraum in einen sozialen Treffpunkt und lädt zum Sitzen, Zubereiten, Teilen und zu Gesprächen ein. Im Rahmen der Ausstellung stellen Gastronom*innen, Künstler*innen, Köch*innen und Bernauer*innen hier Gerichte vor und erzählen, wo sie herkommen und was sie ihnen bedeuten. Als temporäre Infrastruktur versteht sich die Bodrum Berlin Bar nicht als feste Setzung, sondern als bewegliche, aktivierende Architektur, die bestehende Grenzen zwischen Kunst, Alltag und Öffentlichkeit durchlässig macht. Sie steht für ein künstlerisches Verständnis von Raum, das nicht trennt, sondern verbindet – zwischen Menschen, zwischen Orten, zwischen Individuum und Gemeinschaft. Parallel entsteht ein wachsendes Online-Archiv der Zutaten voller kulinarischer Geschichten und kultureller Verbindungen.
Der Weg durch die Galerie führt darüber hinaus an überdimensionierten Happenspießen vorbei durch ein Dickicht von floralen Objekten in einen Obstgarten mit übergroßen Zitronen. Renata Müller-Tiburtius schafft durch ihre Serie aus Picknickbildern die perfekte Kulisse für ein Idyll aus Geselligkeit und Sommerwärme. Eine Picknickdecke lädt die Besucher*innen dazu ein, sich niederzulassen und zu verweilen, zu kosten oder ins Gespräch zu kommen.
Die Ausstellung soll die zauberhafte Form des Vernetzens über Geschmack und Austausch über Essen verwirklichen. Inspiriert von den Ideen des Bauhauses und den Prinzipien der ehemaligen Bundesschule Bernau fragt das Projekt, wie Gemeinschaft auch heute mit einfachen Mitteln gestaltet werden kann: Durch gemeinsames Essen, Zuhören und Teilen. Hier spielt das Netzwerk zwischen Berlin und Bernau eine besondere Rolle. Eingeladene Gäste aus Kunst, Kulinarik und lokaler Bevölkerung bringen Rezepte, Zutaten und persönliche Geschichten mit, die vor Ort zubereitet und gemeinsam verkostet werden. Jeder Beitrag erweitert das wachsende Archiv der Geschmäcke (Flavours) um Zutaten, Infos zur Herkunft und zu den Produzent*innen. Eine interaktive Karte und ein flavour game machen die Welt der Zutaten auch für jüngere Besucher:innen spielerisch erfahrbar.
Besonderer Dank geht an Momme Ostendorf und Veronique Plistermann für ihre Unterstützung beim Bau der Bodrum-Berlin Bar, an Carolina Hammerstein für die Herstellung der Teller sowie an Sakhi Mansoor für die Programmierung der World Food Map.
Renata Müller-Tiburtius (*1990) studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin und an der School of the Art Institute of Chicago, USA mit dem Schwerpunkt Performance, ihren Abschluss erhielt sie 2021. Sie war Mitglied des Performance- Kollektivs Dream A Team und nahm an verschiedenen internationalen Kunstresidenzen teil, darunter der Aviario Kunstresidenz (Portugal) und der Lakkos Kunstresidenz (Griechenland). In ihren Arbeiten entfaltet sie ein spielerisches Spannungsfeld aus Material, Farbe und Assoziation. Durch das Verschmelzen von Medien entstehen Bildwelten zwischen Absurdität und Leichtigkeit, in denen das Flüchtige des Alltags in neue, oft surreale Narrative überführt wird. Skurrilität, Humor und eine eigenwillige Sinnlichkeit öffnen dabei Räume, die sich vertraut und gleichzeitig fremd anfühlen.
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungszusammenhängen gezeigt, unter anderem in der Galerie Subtei, im Projektraum M, in der Kommunalen Galerie Marzahn sowie in weiteren freien und kuratierten Formaten.
Renata Müller-Tiburtius lebt und arbeitet in Berlin und ist aktuell Teil der Ateliergemeinschaft Kirchgasse 61 in Neukölln.
Daniel Theiler (*1981) ist ein deutsch-türkischer bildender Künstler, Filmemacher und Architekt. Er war Meisterschüler bei Nina Fischer in Kunst und Medien an der UdK Berlin. Zuvor absolvierte er einen Master of Fine Arts (Public Art and New Artistic Strategies) an der Bauhaus-Universität Weimar sowie ein Studium an der School 2ft he Art Institute of Chicago (US). Architektur studierte er an der TU Berlin, der ETH Zürich (CH) und der University of Strathclyde Glasgow (UK) und schloss als Diplom-Ingenieur ab. Seine interdisziplinäre Praxis bewegt sich zwischen Installation, Video, Skulptur, Malerei und Performance und fragt danach, wie sich kollektive Erinnerung, kulturelle Narrative und gesellschaftliche Dynamiken in der Struktur und Wahrnehmung von Räumen niederschlagen. Komplexe Themen werden dabei häufig auf spielerische und vielschichtige Weise verhandelt. Die Spannung zwischen Utopie und gelebter Realität bildet ein zentrales Motiv seiner Arbeit. Theilers Arbeiten wurden international gezeigt,
u.a. in der GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Museum Angewandte Kunst Frankfurt, Auditorium des Musée du Louvre Paris (FR). Er lebt und arbeitet in Berlin.
